Weihnachten in Finnland

Weihnachten in Finnland – Joulusauna, Tonttus und der Weihnachtsfrieden

Dass ich die Weihnachtszeit liebe, solltest du mittlerweile in dieser Ausgabe mitbekommen haben. Und auch meine Liebe zu Finnland ist durchaus bekannt. Die Kombination aber ist das ganz Besondere. Denn Finnland ist einfach das Weihnachtsland schlechthin. Aber wie sieht denn ein finnisches Weihnachtsfest eigentlich aus? Eines ist aber klar: Hierher kommt der Weihnachtsmann! PUNKT!

Die richtige, offizielle Weihnachtszeit startet in Helsinki mit dem Erleuchten der Weihnachtslichter auf der Aleksanterinkatu – der Weihnachtsstrasse im Zentrum. Diese liegt unmittelbar am Senatsplatz. In diesem Jahr war es am 27.11. soweit. Mit einer Parade, an der natürlich auch der Joulupukki (Weihnachtsmann) mit seinen Helfern und Rentieren teilnahm, startete die Weihnachts-Saison 2021.

Dann gingen auch die Lichter am großen Weihnachtsbaum auf dem Senatsplatz an und auch im Esplanadi-Park erstrahlen seitdem die Rentiere in vollem Glanz.

Schon einige Zeit zuvor sind viele weitere Straßen mit der Weihnachtsbeleuchtung bestückt und bringen endlich Licht in die dunkleren Stunden des Winters. 

Eine besondere Weihnachtsdekoration und ein jährliches Highlight findet man im Schaufenster des Kaufhauses Stockmann. Hier wird jedes Jahr viel Wert auf Details gelegt und mit jeder Menge Liebe dekoriert und drapiert. Eine Tradition, die nicht schöner sein könnte. Das bringt einfach so viel Spaß zu Bummeln und nach Weihnachtsgeschenken für die Lieben Ausschau zu halten. Es ist einfach die perfekte Atmosphäre und schiebt den Weihnachtsstress schnell beiseite.

Sauna, Sauna und Sauna

Der Gang in die Schwitzkammer gehört zu Finnland, wie die Weihnachtsfrau zum Weihnachtsmann. Mehrmals die Woche gehen die Finnen in die Sauna. Dafür gibt es unzählige Möglichkeiten. So laden viele öffentliche Saunen zum gemeinsamen Schwitzen ein. Aber da die meisten Finnen eine Sauna zu Hause haben, wird oft im privaten Rahmen die Hitze genossen. Tatsächlich gibt es auch in den meisten Mehrfamilienhäusern Saunen, die die Mieter regelmäßig nutzen können. 

Und sogar auf einigen Weihnachtsmärkten findet man mobile Saunen. Hier kann man in der weihnachtlichen Kulisse seinen Saunagang genießen und zusammen schwitzen.

Da scheint es nur selbstverständlich, dass der Gang in die Sauna auch am Heiligen Abend nicht fehlen darf. Die Joulusauna – Weihnachtssauna ist ein Teil des Weihnachtstages. 

So ist der weihnachtliche Saunagang fast schon Pflicht. Früher glaubten die Menschen, dass auch die verstorbenen Angehörigen zum Baden in die Weihnachtssauna kommen. Nach dem Schwitzen wälzt man sich idealerweise im Schnee – sauber für den Weihnachtsmann.

Der Joulupukki und seine Helfer

Denn der Joulupukki (Weihnachtsmann) kommt jedes Jahr wieder zu Besuch. Und zwar aus dem nördlichen Lappland. Denn alle Finnen wissen, dass er auf dem Korvatunturi, einem Berg in Lappland lebt.

Hier mitten im schönen Lappland kümmert er sich das gesamte Jahr um die Vorbereitung für die schönste Zeit des Jahres. Und da das von seinem Zuhause aus recht schwierig ist, hat er sich, modern wie er eben ist, ein Office im nahe gelegenen Rovaniemi angeschafft, was mittlerweile ein richtiges Weihnachtsdorf geworden ist. Hier gibt es unter anderem das Post-Office, an dem jede Menge Briefe von Kindern auf der ganzen Welt eintreffen. Wenn ihr auch noch schnell einen Brief mit einem Wunschzettel schicken wollt, dann geht das an die folgende Adresse:

Santas Main Post Office, FIN-96930 Napapiiri

Rudolf Rentier rote Nase

Die ganze Arbeit macht der Joulupukki natürlich nicht alleine. Er hat Hilfe von seiner Frau – Joulumuori (die alte Damen Weihnachten). Außerdem gibt es jede Menge weitere kleine Helfer, die Tonttus. Alle Kinder in Finnland kennen die kleinen Helfer-Elfen des Joulupukki. Und über sie gibt es viele tolle und lustige Kinderbücher und Geschichten. Seine Rentiere, vor allem Rudolf mit der roten Nase (auf Finnisch: Petteri Punakuono) sind sogar weltberühmt!

Am Heiligen Abend kommt der Joulupukki natürlich auch bei allen Kindern vorbei. Dort fragt er immer den gleichen Satz: „Onko täällä kilttejä lapsia?“ Gibt es hier artige Kinder?

Damit der Weihnachtsmann es in einer Nacht auch schafft, überall auf der Welt zur richtigen Zeit sein zu können, hat er in seinem Office riesige Zahnräder stehen, mit der er die Zeit anhalten und somit durch die Welt flitzen kann. Das ist, nach finnischen Geschichten, auch ein Grund dafür, warum einem vor allem am Weihnachtsabend die Zeit bis zur Bescherung so unglaublich lang vorkommt.

Weihnachtsfrieden und ein Besuch auf dem Friedhof

Bevor es allerdings zu der Bescherung und einem üppigen Festmahl kommt, steht in Finnland bei vielen Familien ein Besuch auf dem Friedhof an. Hier gedenken sie den verstorbenen Angehörigen und zünden Lichter auf den Gräbern an. In Kombination mit dem weißen Schnee entsteht ein Lichtermeer des Gedenkens.

Die Mittagszeit ist am Heiligen Abend auch eine ganz besondere. Denn um Punkt 12 Uhr wird in der ehemaligen Hauptstadt Turku offiziell der Weihnachtsfrieden ausgerufen. Wenn die Uhr des alten Doms 12 Uhr geschlagen hat, versammeln sich die Menschen auf dem Alten Markt und vom Balkon des Rathauses verkündet der Bürgermeister den dreitägigen Weihnachtsfrieden. Dabei ermuntert er alle, „sich im übrigen still und ruhig zu benehmen“. Das alles wird live in Radio und Fernsehen übertragen. Turku ist die einzige Stadt in ganz Skandinavien, in der sich diese Tradition fast ohne Unterbrechung seit 1320 gehalten hat. Die Sitte, Friedensbrecher in dieser Zeit doppelt so hart zu bestrafen wie üblich, hat sich allerdings nicht gehalten.

Auch die Kinder freuen sich jedes Jahr auf die Verlesung des Weihnachtsfriedens. Denn ist der erst einmal verlesen, dauert es nicht mehr allzu lange bis zur Bescherung.

Nach dem Weihnachtsfrieden können noch ein paar letzte Erledigungen getroffen werden, dann der Besuch auf dem Friedhof und anschließend der übliche Saunagang. 

Und erst nach dem leckeren Weihnachtsmenü kommt der Joulupukki.

 

Finnisches Weihnachtsmenü

Die weihnachtliche Tafel ist in Finnland festlich geschmückt und fällt sehr üppig aus. Das hat den Vorteil, dass in der Regel so viel übrigbleibt, dass auch die kommenden Tage davon gezehrt werden kann. Damit muss sich niemand Gedanken um das Essen machen und alle können die Feiertage genießen.

In vielen Familien startet das Weihnachtsmenü mit einem Fischsalat mit roter Beete. Der Hauptact der Hauptspeise ist der Joulukinkku – der Weihnachtsschinken. Dieser wird seit dem Morgen im Backofen gegart. Zu dem Schinken gesellen sich vielerlei Aufläufe, die meist aus Steckrüben und einem Karotten-Reis-Gemisch bestehen.

Das Gute an diesem Menü ist, das fast alles schon am Vortag vorbereitet werden kann und somit keine Hektik am Heiligen Abend aufkommt.

Der Weihnachtsbrei ist auch eine finnische Besonderheit. Dieser wird bei vielen zum Frühstück am Heiligen Abend gereicht. Es ist ein ganz normaler Milchreis, in den eine einzige Mandel eingerührt wird. Derjenige, der sie beim Essen findet, wird im nächsten Jahr vom Glück begleitet sein. Allerdings wird das in jeder Familie anders gehandhabt und weitergegeben. Manche sagen auch, dass derjenige, der die Mandel findet z. B. für den Abwasch zuständig ist.

Ist also die finnische Weihnachts-Traditions-Liste abgearbeitet, ist es endlich Zeit für die Bescherung. Dann kann das gemeinsame Zusammensein und die Zeit mit der Familie genossen werden – Bei einer Tasse Glöggi und ein paar Joulutorttu oder Piparkakku (finnisches Weihnachtsgebäck).

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