Weihnachten Geschichten Phantaisie

Weihnachtszeit ist Geschichtenzeit – Phantasie auch für uns Erwachsene

Geschichten und Phantasie gehören zu Weihnachten wie Glühwein und Kekse. Denn jede Familie hat ihre eigene Story darüber, wer und wie die Geschenke nun unter den Baum kommen. Rund um Weihnachten ist die Phantasie einfach präsenter denn je. 

Allerdings scheinen wir im Laufe unseres Lebens die Phantasie irgendwie verloren zu haben. Dabei ist es so ungemein wichtig, sich seinen Vorstellungen einfach mal hinzugeben.

Phantasie und auch Vorstellungskraft ist bei allen anders ausgeprägt. Vor allem liegt es daran, dass sich nicht jeder darauf einlässt, seiner Phantasie einfach mal freien Lauf zu lassen und mit etwas kindlicher Naivität und Freude an Geschichten und Märchen zu glauben. Wir denken einfach viel zu rational und lassen uns von Fakten aus der wunderschönen Gedankenwelt herausreißen. 

Gerade zur Weihnachtszeit kommen mir wieder die vielen wundervollen Erinnerungen in den Kopf, die mit Phantasie zu tun haben. Denn unsere Weihnachtszeit war voll von Geschichten, die meine Eltern und Großeltern mit kleinen Gesten und Vorbereitungen zum Leben erweckt haben.

Weihnachten in meiner Kindheit

Ich komme vom Dorf. Also so richtig vom Dorf: 250 Einwohner, 2 km bis zum nächsten Dörfchen und knapp 15km bis zur nächsten Stadt. Es gibt keinen Bäcker, keine Post, keinen Bahnhof sondern nur den Schulbus.

In unserem Haus, das etwas abgelegen vom restlichen Dorf liegt, haben ich mit meiner Schwester, meinen Eltern und meinen Großeltern (in der unteren Wohnung) gelebt. 

Und so war auch der 6. Dezember bereits etwas Besonderes. Nikolaus-Tag oder auch der Tag der sauberen Schuhe. Denn am Vortag wurden die Schuhe ordentlich geputzt und ein Paar vor die Tür gestellt. Und in dieser Nacht kam der Nikolaus und hat die Stiefel mit allerlei Kleinigkeiten gefüllt. Die ersten Geschenke der Weihnachtszeit. 

Der Nikolaus war sozusagen unser Weihnachtsmann. Roter Mantel, Bart, Mütze. 

Und am Abend vom Nikolaustag waren alle Kinder des Dorfes verkleidet unterwegs. Als Nikoläuse oder Engel. Es ging von Haus zu Haus und ein Spruch wurde aufgesagt, damit man dann Süßigkeiten von den Hausbewohnern bekam. Da kam immer ganz schön was zusammen!

Im Dorf gibt es eine Dorfkirche und regelmäßigen Kindergottesdienst für die Kids vor Ort. An diesem haben meine Schwester und ich auch regelmäßig teilgenommen. Vor allem zur Weihnachtszeit. Denn dann wurde sich auf das Krippenspiel zum Gottesdienst am 24.12. vorbereitet. 

Und so war der Heilig Abend nochmal etwas Besonderes für meine Schwester und mich. 

Der Tag an sich war immer entspannt. Es wurde gespielt und gemeinsam zusammengesessen. Ich erinnere mich auch an Jahre, an denen wir erst an diesem Tag den Weihnachtsbaum zusammen geschmückt haben. 

Am Nachmittag ging es dann zur Kirche, Vorbereitung auf das Krippenspiel und dann der Gottesdienst. Der Weg zurück von der Kirche nach Hause durch Schnee gestapft, mit ganz großer Vorfreude auf die Bescherung. Und ja, ich erinnere mich tatsächlich an einige weiße Weihnachten.

Die letzten Meter zurück zum Haus mussten wir dann ganz leise sein. Denn es könnte ja sein, dass das Christkind bereits im Haus ist. Und tatsächlich war es IMMER genau zu dieser Zeit da. Das wussten wir, denn vor der Haustür hing die alte Öllampe vom Christkind, die es da abgestellt hatte. Außerdem war die Tür zum Wohnzimmer der Großeltern geschlossen. 

Und so mussten wir nicht nur leise und besonders brav sein, sondern auch noch abwarten. Denn das Christkind hat wirklich immer viel zu tun gehabt. Und so gab es vorher erst einmal Abendessen. Unser Abendessen war immer etwas anders als bei anderen. Da sowohl meine Mutter, als auch die Oma mit uns in der Kirche waren, mussten Papa und Opa das Essen vorbereiten. Und die konnten eben am Besten „Hawaiitoast“. 

Damit wurde der Toast Hawaii das geliebte Weihnachtsessen am Heiligen Abend – bis heute. 

Immer wieder haben wir aus dem Fenster geschaut, um nachzusehen, ob das Christkind denn nun endlich fertig geworden ist und damit die Öllampe wieder weg war. Erst dann, wenn wir uns sicher waren, dass die Luft rein ist, durften wir in das Zimmer. 

Das Zimmer mit dem großen Weihnachtsbaum und den vielen Geschenken. 

Natürlich wurde vorher noch mindestens ein Weihnachtslied gesungen, das wir mit unseren Instrumenten untermalen mussten. Tja, die gute alte Zeit…

Nach der Bescherung wurde sich natürlich erst einmal mit den Geschenken beschäftigt. Im Grunde gab es auch immer mindestens ein Gesellschaftsspiel, dass dann mit allen gemeinsam direkt ausprobiert wurde. 

Außerdem lief parallel Weihnachtsmusik oder es flimmerte ein Weihnachtsfilm auf dem Fernseher. Ein gemütlicher Abend, mit der engsten Familie, ohne Stress und vor allem ganz entspannt ohne großen Schnick Schnack und Zwang. 

So wie es in meiner Familie war und auch heute noch zum Teil ist, konnte es nur werden, weil eben eine kleine Geschichte durch den gesamten Tag geführt hat.

Genau das macht das Weihnachtsfest vor allem für Kinder zu etwas ganz Besonderem. Und zwar dann, wenn die Erwachsenen die Phantasie aufrechterhalten und sich darauf einlassen.

Jetzt denk einmal an deine Kindheit zurück, an deine Weihnachtsfeste und Rituale, Geschichten und Momente, die dich in diese tolle Weihnachts-Zauberwelt versetzt haben. Macht dich das glücklich?

Im Grunde haben wir doch alle unser ganz eigene, persönliche Weihnachtsgeschichte. Und dahinter stecken viele verschiedene Versionen und Storys, Geschichten und Phantasien über den Weihnachtsmann, das Christkind oder auch andere mögliche Geschenküberbringer und Figuren. 

Vielleicht liegt genau hier der Schlüssel der entspannten Weihnachten. Sich zurück zu erinnern, an die Tage als Kind, die wir jetzt mit den Augen der Erwachsenen sehen. Wir erkennen, dass es nicht perfekt sein muss, um perfekt zu sein. Denn es sind mal wieder die kleinen Dinge, die die Tage rund um und an Weihnachten besonders und einzigartig machen. Es ist die Atmosphäre, die Stimmung und vor allem die Geschichten, die jede Familie anders erzählt. Und zwar unabhängig von der Religion. Denn auch Nicht-Christen feiern Weihnachten, mit Baum, Geschenken und Dekoration. 

Und jetzt möchte ich Dir in dieser Ausgabe noch eine Geschichte empfehlen. Meine liebste Weihnachtsgeschichte. Eine finnische Story aus Lappland. Eine Geschichte die irgendwie auch den möglichen Hintergrund und die Idee vom Weihnachtsmann (oder auch Nikolaus) „erklärt“.

Die Geschichte gibt es als Buch, Hörbuch und auch als wunderschönen Weihnachtsfilm in der Kulisse Lapplands: JOULUTARINA – Wunder einer Winternacht (Buch von Marko Leino).

Hier geht es zum Buch/Hörbuch
Hier findet ihr Links zu dem Stream des Films

Die Handlung:

 „Vor hunderten von Jahren begann die schönste Geschichte aller Zeiten“: Nikolas ist ein Waisenjunge aus Lappland, dessen Eltern und kleine Schwester bei einem tragischen Unfall ums Leben kommen. Die Familien in dem Dorf, in dem er lebt, sind zu arm, um den fünfjährigen Jungen aufzunehmen. So beschließen sie, ihn gemeinsam aufzuziehen. Jede Familie sorgt ein Jahr lang für ihn und gibt ihn jeweils am Weihnachtsabend an die nächste Familie weiter. Nikolas bedankt sich bei den Familien, indem er Spielzeug für deren Kinder schnitzt, das er stets am Heiligen Abend überreicht. Demgemäß kommt jedes Jahr eine Familie hinzu, die in diese Weihnachtstradition eingebunden wird.

So vergeht Jahr um Jahr. In diesem Jahr liegt die Wirtschaft des Dorfes jedoch brach, wofür eine ausgefallene Getreideernte die Ursache ist. Das ist der Grund dafür, dass keine der Familien im Dorf Nikolas aufnehmen kann. So nimmt sich der grimmige Tischler Iisakki des Jungen an und beschäftigt ihn als seinen Gehilfen. Nach einer harten Lehrzeit nimmt ihn Iisakki wie seinen eigenen Sohn auf. 

Weihnachten ist, wie schon in der Vergangenheit, die schönste und wichtigste Zeit im Jahr für Nikolas. Und so kommt es, dass die alte Holzfabrik mit den Jahren immer mehr zu einer Spielzeugfabrik wird und aus dem Waisenjungen Nikolas schließlich „der Weihnachtsmann“ wird.

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