Nachhaltige Ernährung

Verzicht oder Gewinn? Was wir alles dank einer nachhaltigeren Ernährung bekommen statt zu verlieren

Die Forderung nach mehr Nachhaltigkeit wird immer größer. Die Jugend geht auf die Straße und zeigt am „Fridays for Future“ was ihnen wichtig ist und versucht die vorherigen Generationen aufzurütteln und macht sich damit sichtbar. 

Um diese Forderung umzusetzen ist die Ernährung ein gesellschaftlicher Bereich, in dem es vergleichsweise einfacher und überschaubarer ist, Maßnahmen umzusetzen und damit direkt am eigenen nachhaltigeren Handeln zu arbeiten.

Neben den klassischen Dimensionen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft kommt die Gesundheit als eine weitere Dimension nachhaltigen Handelns hinzu. Sie hängt eng mit dem Konsum- bzw. Ernährungsverhalten zusammen. 

Schauen wir einmal global auf die Gesundheitssituation, dann zeigen sich zwei komplett unterschiedliche Gesichter: 

Unterernährung und Mangelernährung in Folge von Armut und Nahrungsmangel einerseits und auf der anderen Seite Wohlstandserkrankungen aufgrund von Bewegungsarmut, Überernährung, Stress, Rauchen und Alkoholkonsum.

Was wir essen und wie viel wir essen hat erheblichen Einfluss auf unseren eigenen Körper, auf die Natur sowie auch auf andere Menschen und auf die wirtschaftliche Situation aller Beteiligten. 


Als fünfte Dimension wird die Kultur erfasst, denn kulturelle Hintergründe prägen unseren Ernährungsstil entscheidend. Sie setzen einen Rahmen, der Verbrauchern Orientierung und Sicherheit in der Gestaltung ihres Ernährungsalltags bietet. 

All diese Dimensionen kommen sowohl mit bestimmten Zielen, als auch Herausforderungen auf die Welternährung zu. Lass uns einmal genauer hinschauen:

Es ist also ein Zusammenspiel dieser 5 Dimensionen, die laut Dr. Karl von Koerber unter dem Motto stehen; 

„Essen mit Genuss und Verantwortung – für alle Menschen auf der Erde und für die kommenden Generationen“. Eine schöne Definition von nachhaltiger Ernährung wie ich finde.

Achtsamkeit und Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit

Was damit immer wieder in Zusammenhang kommt und als einer der wichtigsten Faktoren überhaupt zu sehen ist, ist das Bewusstsein für diese Themen. Gesundheit zu erhalten, mit dem Wissen darüber, was ich, mein Körper und damit auch die Umwelt benötigt. Es geht um Achtsamkeit für das eigenen Leben, die eigene Gesundheit und damit auch für alle und alles um einen herum.

Wenn du dich gesund und ausgewogen ernährst, dann hast du dich mit dem Thema bereits auseinandergesetzt. Dazu gehört auch die Qualität der Lebensmittel und damit auch Informationen wie die Herkunft oder Erstellung bestimmter Dinge.

Es geht also auch um ein klimafreundliches Kaufverhalten und eine gesunde und nachhaltige Lebensmittelauswahl. Eine nachhaltige und bewusste Ernährung bedeutet also gleichzeitig auch Umweltschutz. Vor allem aber bedeutet sie Qualität, Genuss und alles andere als Verzicht oder Einbußen des Lebensstils. 

Ein nachhaltiges Kaufverhalten kann mit einfachen Tipps direkt im Alltag umgesetzt werden. Dazu gehört es auch, sich sein eigenes derzeitiges Kaufverhalten bewusst vor Augen zu führen.

Stell dir dabei doch einfach mal die folgenden Fragen:

  • Was landet alles in meinem Einkaufswagen?
  • Woher stammen die Produkte?
  • Lasse ich mich von Schnäppchen und XXL Mogelpackungen verleiten?
  • Wieviel Einfluss hat Werbung (auf allen Kanälen und Medien) auf mein Kaufverhalten?
  • Kaufe ich mehr als ich brauche?
  • Habe ich mir die Produkte näher angeschaut und weiß über Inhaltsstoffe, etc. bescheid?
  • Achte ich darauf möglichst verpackungsarm einzukaufen?
  • Welches Obst und Gemüse hat gerade jetzt Saison?


Gehen wir hier doch als erstes auf die letzte dieser Fragen ein. Saisonales Obst und Gemüse gehört zu einer nachhaltigen Ernährung unbedingt dazu. Natürlich am besten regional und nicht von Übersee importiert. Das Gute dabei; Saisonale Lebensmittel schmecken einfach besser, intensiver und weniger künstlich. Sie enthalten zudem jede Menge guter Inhaltsstoffe, die für die entsprechende Jahreszeit ideal für deinen Körper sind. 

Hier hat die Natur quasi für uns mitgedacht. Denn unser  Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen ist z.B.  in den dunklen Jahreszeiten besonders groß. Hier kommt das Wintergemüse wie Grünkohl, Rotkohl oder Wirsing zum idealen Einsatz.  Die vielen Vitamine, Mineralien und Spurenelemente halten die Gemüsesorten bei sinkenden Temperaturen im Freien widerstandsfähig. Für unseren Körper sind Blumenkohl, Schwarzwurzeln und Feldsalat so regelrechte Nährstoff-Bomben und es bedarf keinem teuren und aus Übersee angeliefertem Superfood. 

Zudem verringern Lebensmittel aus der Region die Luftverschmutzung und stärken die heimische Landwirtschaft. Mit einem Saisonkalender weißt du direkt, wann welches Obst und Gemüse aktuell am besten schmeckt. Hinzu kommt dann noch, dass saisonale Waren meist viel günstiger sind. Hier lohnt sich der Besuch auf dem Hofladen oder beim nächsten Wochenmarkt.

Was für mich immer wieder schwierig ist, ist es zu versuchen Müll und Verpackungen beim Einkauf zu vermeiden. Fast alles ist in Plastik verpackt und man kommt oft nicht drum herum den Müll mit den Lebensmitteln mitzunehmen. Alternativen bieten Unverpacktläden und auch die eben bereits erwähnten Wochenmärkte. 

Eine Kleinigkeit, die aber viel ausmacht, ist der Verzicht auf diese kleinen Plastikbeutel im Obst- und Gemüseabteil des Supermarktes. Besitzt du hier auch schon ein widerverwendbares Beutelchen? Wenn nein, hast du hier direkt eine Handlungsempfehlung für den kommenden Einkauf. Die Beutel gibt es überall zu kaufen und direkt zu verwenden!

Weniger Fleischkonsum aber auch weniger Ersatzprodukte!

Zu einer nachhaltigen Ernährung gehört auch, den Fleischkonsum, bzw. den Konsum von tierischen Lebensmitteln zu reduzieren. Ganz bewusst schreibe ich hier NICHT ihn komplett zu streichen. Denn das ist nochmal ein ganz anderes, sehr ausuferndes Thema. 

Tatsache ist zwar, dass eine vegane Ernährung deutlich ökologischer ist, als eine Ernährung mit Tierprodukten, aber auch hier stehe ich etwas kritisch gegenüber. Denn nicht jeder Veganer und Vegetarier lebt und handelt nachhaltig, auch nicht bei der Ernährung. Da sind zum einen die ganzen Ersatzprodukte, Nahrungsergänzungsmittel oder Superfoods, die ganz fancy in den Vegan-Lifestyle eingebaut werden. 

Auch ich bin seit Ewigkeiten Vegetarierin, hatte allerdings nie das Bedürfnis mir eine Wurst als Ersatz nachzubauen. Auch Produkte wie veganes Hack oder künstliche Chicken Nuggets konnte ich noch nie verstehen. Aber Jedem das Seine, vor allem dann, wenn es in die richtige Richtung gedacht ist. Denn im Grunde gehe ich davon aus, dass sich sowohl Vegetarier als auch Veganer mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt haben, bevor die Entscheidung gegen tierische Lebensmittel getroffen wurde.

Und auch in diesem Fall geht es nicht um radikale Änderungen, sondern um kleine Anpassungen. Die Reduzierung der wöchentlichen Mahlzeiten mit Fleisch oder auch das Bewusste Einsetzen von Milchprodukten tragen bereits ihren Teil zu einer nachhaltigerem Handeln bei.

Denn auch hier gilt: Die Bewusstmachung des eigenen Verzehrs ist der erste Schritt in die richtige Richtung!

Nachhaltige Ernährung vs. Überfluss – Alles für die Tonne!

Ein sehr großer Faktor, der gegen Nachhaltigkeit im Bereich Ernährung spricht, ist Lebensmittelverschwendung. Und hier kann auch ich mich nicht von freisprechen. Denn es kommt durchaus vor, dass ich einkaufe und viel mehr im Wagen landet, als ich überhaupt verarbeiten kann. Ich liebe frisches Obst und Gemüse und muss zugeben, auch gerade jetzt schlummert ein Bund Suppengemüse in meinem Kühlschrank vor sich hin, von dem ich mindestens die Hälfte gleich entsorgen muss, weil ich einfach vergessen habe, dass ich es gekauft hatte. 

Tatsächlich landen in Deutschland jährlich 82 kg Lebensmittel pro Person in der Tonne (Institut der deutschen Wirtschaft/Köln)!!!

Aber erschreckend dabei ist vor allem, dass die Hälfte der weggeschmissenen Lebensmittel noch genießbar gewesen wäre. 

Ein erstellter Essensplan und angepasster Einkaufszettel helfen dabei, bewusster einzukaufen und wirklich nur das in den Wagen zu packen, was auch benötigt wird. An dieser Stelle ist also weniger mehr und zwar vor allem für den Umweltschutz!

FAZIT:

Es sollte uns bewusst sein, dass unsere Ernährung eine direkte Auswirkung auf unsere Umwelt hat. Wir alle tragen Verantwortung für uns, unsere Gesundheit, unsere Mitmenschen und die Erde. Also lass uns in Zukunft an die oben gestellten Fragen denken, wenn der Einkaufswagen sich füllt. Denn nachhaltiges Handeln kann ganz einfach sein und bringt durch saisonale und regionale Produkte noch mehr Geschmack und gesunde Lebensmittel auf unsere Teller.

Nachhaltigkeit muss also nicht mit Verzicht gleichgesetzt werden.

Und ein kleiner Tipp am Ende: Stöber doch mal bei deinen Eltern oder Großeltern in alten Kochbüchern. Hier findest du tolle saisonale Gerichte, die es sich auszuprobieren lohnt. Denn Oma und Opa haben auch nicht jeden Tag eine Avocado gelöffelt!

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