Ist das noch Up2Date – Brauchen wir eine Trennung von Berufs- und Privatleben?

Wenn es darum geht, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bekommen, streben viele Arbeitnehmer nach einer guten Work-Life-Balance. Damit ist gemeint, dass wir diese beiden Bereiche unseres Lebens voneinander trennen und sie sozusagen nebeneinander existieren können. Was in der Theorie ziemlich gut klingt, ist in der Umsetzung allerdings häufig sehr kompliziert. 
Nun stelle ich mir aber die Frage, ob es diese Balance wirklich noch gibt oder geben muss. Ist es nicht eher ein Miteinander, anstatt ein „voneinander getrennt“?

Eine tatsächliche Trennung zwischen Berufs- und Privatleben, also einen echten Feierabend, kannte ich lange nicht. Mein Einstieg in das Berufsleben war ein mehrjähriger Einsatz in der Clubanimation. Privatleben gab es da höchstens an dem einen freien Tag in der Woche. Und auch den hat man immer mal wieder in der Anlage und damit unter Gästen verbracht.

Dem hat sich ein duales Studium der Fitnessökonomie angeschlossen. Privatleben? Hm, irgendwie nicht. Ich habe zu der Zeit quasi im Fitnessstudio gelebt. Nach der Arbeit wurde trainiert und danach mit den Mitgliedern und Kollegen zusammengesessen. 

Später dann in einem anderen Job, habe ich mir immer wieder vorgenommen, den Feierabend auch Feierabend sein zu lassen. Abschalten und die Themen der Arbeit auf den Folgetag verschieben. Aber geklappt hat es eher weniger. Der Grund? Zum Teil die dauerhafte Erreichbarkeit, aber vor allem der Grund, dass mir das, was ich als Beruf hatte Spaß gebracht hat. Ich habe mich mit meinem Job identifiziert. Er gehörte zu mir und das ist bis heute so.

Außerdem, wenn ich meine Arbeitstage (in der Festanstellung) einmal genauer betrachte, finde ich durchaus Momente, in denen ich mit privaten Inhalten beschäftigt war. Der ein oder andere Blick auf Instagram, ein Telefonat oder vielleicht ein wenig privates Surfen im Internet. Na, erkennst du dich wieder? Warum auch nicht, denn viele Gedanken und Inhalte der Arbeit kommen ja auch mit nach Hause. 

Und genau da stellt sich mir die Frage, ob es denn heutzutage so etwas wie eine Work-Life-Balance geben MUSS? Vor allem bezogen auf unser Thema dieser Ausgabe „Definition von Glück“. 

Work-Life-Integration oder Work-Life-Blending

Immer wieder findet man die Begriffe „Work-Life-Integration“ oder „Work-Life-Blending“.
Dabei ist Gleitzeit eine wichtige Komponente. Immer mehr ArbeitnehmerInnen haben die Möglichkeit, sich die Arbeitstage selbst einzuteilen und zu gestalten. Nun kommt auch das Homeoffice hinzu und die Präsenz am Arbeitsplatz verliert mehr und mehr an Wichtigkeit.

Im World Happiness Report 2017 wird sich mit „Glück am Arbeitsplatz“ beschäftigt. 

Hier wurde zum einen analysiert, inwiefern Arbeitslosigkeit und Glück zusammen hängen, aber auch welche Berufsgruppen den größten „Glücksindex“ hatten.

Zudem wurde ermittelt, dass vor allem die Einstellung zur Arbeit eine wichtige Rolle spielt, ob wir glücklich sind oder nicht. Arbeit, die nur als Job verstanden wird, also eher als eine lästige Pflicht, macht nicht glücklich. Aber auch solche Arbeitsplätze, die ausschließlich darauf ausgerichtet sind, Karriere zu machen und damit einen hohen gesellschaftlichen Status zu erreichen, werden auf Dauer nicht zum Glück führen.

Beruf – Berufung – Sinnhaftigkeit

Wird Arbeit dagegen als Berufung verstanden, kann sie als Glücksfaktor wirken. Sie kann uns Erfüllung bringen und damit Momente schaffen, in denen wir in einer Tätigkeit völlig aufgehen und eins mit uns selbst sind. Wir haben somit einen Sinn für unsere Arbeit gefunden und leben diesen entsprechend. Und genau dann ist es durchaus denkbar, dass auch nach Feierabend die ein oder andere Mail bearbeitet wird.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass eine solche „Integration“ oder ein „Blending“ der beiden Bereiche nicht für alle Berufsgruppen möglich und umsetzbar ist. Ganz sicher ist dieses Thema auch eines, was zwischen den Generationen auf unterschiedlichste Weise gesehen und gehandhabt wird. 

Und genau da sind die spannenden Momente zu finden, die ich ab jetzt in dieser Kategorie herauskitzeln möchte. Ich werde in den kommenden Ausgaben immer wieder mit unterschiedlichen Berufsgruppen und auch verschiedenen Generationen sprechen. Ich möchte wissen ob sie sich „glücklich“ mit ihrem Job fühlen, ob sie sich vielleicht etwas anderes wünschen und wie sie zu dem Thema „Work-Life-Balance“ stehen.


Jetzt bist du gefragt. Teile mir doch einmal deine Meinung zu diesem Thema mit. Vielleicht erzählst du mir von deiner jetzigen Situation und beschreibst deine Art einer „Work-Life-Balance“. Oder du hast eine bestimmte Frage dazu? Dann gerne her damit.

Außerdem kannst du mir gern schreiben, welche Berufsgruppen als nächstes in den Ausgaben vorkommen sollen. Ich werde versuchen alle gewünschten Berufe einmal an den Arbeitsplätzen zu besuchen und darüber zu berichten.

Schreib mir dazu eine Mail an berufscheck@happinessmeetslife.com 

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