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Sauna in jeder Jahreszeit

Die Jahreszeiten der Sauna – 365 Tage Sauna-Zeit

Das Thema Entspannung schreit geradezu immer wieder nach Saunainhalten und Artikeln. Da ich die Sauna zwar sehr gern mag, aber kein Profi bin, habe ich Katja von @saunaglueck gefragt, ob sie zur Herbstausgabe einen Gastbeitrag beisteuern kann. Und sie kann! Wer nach dem Lesen dieses Artikels nicht sofort Lust auf Sauna hat, dem ist wohl auch nicht mehr zu helfen 🙂 .  

Als ich mit meiner Familie in Rovaniemi am Polarkreis auf unseren Autozug wartete,

der uns von Lappland zurück in den Süden Finnlands bringen sollte, fiel mir im Bahnhofscafé dieses Bild auf: Acht Jahreszeiten waren von den Sami darauf eingezeichnet und nicht nur vier. Interessant, dachte ich – gerade hier oben, wo Schnee und Winter gefühlt ein halbes Jahr ausmachen. Aber tatsächlich geht der Wechsel der Jahreszeiten nördlich des Polarkreises häufiger als gedacht vonstatten. Deshalb wird das Jahr im hohen Norden gern in Winter, Frühlings-Winter, Frühling, Frühsommer, Sommer, Spätsommer, Herbst und Herbst-Winter eingeteilt.

Finnische Sauna als UNESCO-Weltkulturerbe

Eine Konstante das ganze Jahr über in Finnland ist der Gang in die Sauna. Auch wenn es das finnische Wort sauna (dt. Schwitzbad) in fast alle Sprachen der Welt geschafft hat, so ist die finnische Sauna-Kultur weitläufig nicht so bekannt wie oft angenommen. Die Art des Saunierens, das Kreieren des ‚Löyly‘, der wohldampfenden Atmosphäre, die nach dem stetigen Aufguss auf die heißen Steine in einer finnischen Sauna entsteht, wurde Ende 2020 sogar als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe geschützt. Hinter der Bewerbung versammelten sich die 5.5 Millionen Einwohner Finnlands, die in etwa 3.3 Millionen – oft mehrmals die Woche und im Sommer-Mökki fast täglich – in die Sauna gehen.

In meiner Kindheit in der damaligen DDR kannte ich die Sauna ausschließlich aus der Winterzeit oder höchstens noch während der schmuddeligen Zeiten des Herbstes oder zu Beginn des Frühlings. Im Sommer in die Sauna? Unvorstellbar…bis ich für viereinhalb Jahre mit meinem Mann und unseren beiden kleinen Kindern nach Rauma in den Südwesten Finnlands zog.

Knapp 40.000 Menschen leben in Rauma, darunter etwa 2.000 Ausländer. Rauma ist bekannt für seine Klöppel- und Spitzen-Tradition. Jährlich zieht die Pitsiviiko (dt. Spitzenwoche) Besucher aus Finnland und aller Welt an, sogar aus dem fernen Japan. Zudem wartet die Ostsee-Stadt gleich mit zwei UNESCO-Weltkulturerben auf: Nordeuropas größte und in meinen Augen überhaupt schönste Holzhäuser-Altstadt und dem Hügel ‚Sammallahdenmäki‘ mit seinen 36 bronzezeitlichen Steinhaufengräbern.

Unsere persönlichen Highlights waren jedoch die zahlreichen Strandsaunen (finn. rantasauna), wie die herrlich rot-rustikale Sauna am Lomakoti der Kirche mit einem ihrem bezaubernden Blick aus der Sauna auf die Ostsee. Ankommen, selbst Holz auflegen, Wasser auf die heißen Steine verteilen, zwischen den Gängen in der Ostsee abtauchen und beim Gehen noch 2 EUR in die Kasse des Vertrauens einwerfen – herrlich pragmatisch – wie die Finnen einfach so sind.

Kein Tür zu oder psst – Ruhe Bitte!

Als wir nach Rauma kamen, war ich anfangs traurig darüber, dass so mancher Nachbar den Kopf senkte, wenn ich ihm oder ihr in unserer Koivulankatu ein fröhliches „Hyvää Huomenta“ (dt. Guten Morgen) entgegen schmetterte. Ich fragte mich, warum wir vermeintlich nicht immer offen empfangen wurden und lernte, dass das oft mit einem „Ich spreche nicht so gut Englisch“ oder „Ich will dir nicht auf die Nerven gehen“ zu tun hatte.

In der Sauna war alles anders. Ziemlich schnell entdeckten wir zum Glück die öffentlichen Strandsauen. Mit unseren kleinen Kindern liebten wir es, dort zu schwitzen und anschließend in der Ostsee oder im See baden zu gehen.

Kein „Tür zu!“, kein Aufguss zur vollen Stunde, kein „Psst – Ruhe bitte!“ – herrlich für eine Familie.

Und die größte Überraschung? Wir wurden in den Saunen munter ausgefragt, woher wir kommen, was wir an Finnland mögen und erfuhren private Geschichten von Unbekannten, die man sonst nur in tiefer Freundschaft teilen würde. 

Alles Gründe genug, meine eigene Saunareise zu starten – ins Saunaglück, wo ich auf meinem Blog und bei Instagram Geschichten aus der Sauna aufschreibe und worüber ich auch Dani von HAPPINESS meets Life kennenlernen durfte. Ich wollte mehr erfahren, etwa warum die Sauna in Finnland so „normal wie Duschen“ ist, wie sie sich entwickelt hat, welche Rituale und Traditionen es gibt und wie es sich in den verschiedenen Saunen schwitzt.

Für mich entscheidend ist, dass die Sauna die Menschen verbindet. Im Finnischen heißt es „Yhdessä on mukavaa“ – zusammen ist es am schönsten!

Und so gehen viele Finnen in die öffentliche Saunen, obwohl sie eine eigene Sauna haben. Einfach um sich zu treffen und munter zu plaudern. Ganz anders als auf der Straße oder im Alltag.

Die Jedermann-Sauna

„Jeder kann die Sauna anheizen und damit auch genießen“ hieß es in der finnischen

UNESCO-Bewerbung. In der ‚Sauna für Jedermann‘ schwitzt man bei Temperaturen

zwischen 70 bis 100°C. Durch den ständigen Aufguss herrscht eine wohlig dampfende Atmosphäre.

Neben den holzbefeuerten Saunen, gibt es auch elektrische Saunen und die

traditionellen Rauch-Saunen. Die finnische Sauna-Kultur beinhaltet neben der Art des Saunierens auch:

  • Sauna-Traditionen wie die Weihnachtssauna (finn. joulusauna),
  • die Sauna zur Sommersonnenwende (finn. juhannussauna),
  • das Abklopfen mit Zweigen etwa der Birke (Westfinnland: vihta / Ostfinnland: vasta)
  • Wasch- und Reinigungsrituale
  • sowie Schröpfrituale.

Ich war nun endgültig davon überzeugt, dass die Sauna die Türen zur finnischen Gesellschaft und Kultur öffnet. Willkommen ist hier jedermann – alt oder jung – von nah und fern.

Meine Lektion: Die Sauna ist nicht nur gesund, sie verbindet und macht glücklich.

Risto’s Gesetze für die finnische Sauna

Risto Elomaa, seit vielen Jahren Präsident des internationalen Sauna-Verbandes ISA, geht selbstverständlich ganzjährig in die Sauna. Am liebsten in seiner eigenen Mökki-Sauna nahe Helsinki. Doch auch während seiner Zeit als Honorarkonsul in Namibia hat er dafür gesorgt, dass es dort eine Sauna gibt. „Katja, es ist doch so herrlich, wenn man nach der Sauna die Hitze des namibianischen Sommers ganz angenehm empfindet“, erzählt er mir in einem Café in Helsinki. Er gibt sich finnisch bescheiden: „Wir Finnen glauben manchmal, dass wir alles über Sauna wissen, aber auch wir lernen immer wieder Neues dazu.“ Deshalb sei die wissenschaftliche Forschung zur Geschichte und Saunakultur heute wichtiger denn je. Und die Art und Weise, wie Saunen richtig gebaut werden sollen, müsse dringend weitergegeben werden. Für Risto sind diese Dinge „Gesetze der finnischen Sauna“:

  • Die Füße müssen sich oberhalb der Ofensteine befinden.
  • Die Decke muss mindestens so hoch sein, dass man das Ritual des Abklopfens etwa mit Birkenzweigen (finn. vihta/vasta) zelebrieren kann.
  • Es muss Belüftungsmöglichkeiten sowohl am Boden als auch an der Wand und einen 5-10 cm großen Raum zwischen Tür und Boden geben.

Kalte Gartendusche: kleiner Ersatz fürs Eisbaden

Mittlerweile zurück in Franken zelebrieren wir ganzjährig das Saunabaden in unserer kleinen aber feinen Gartenfass-Sauna. Jeden Sonntag als gemeinsames Familienritual oft nach einem Ausflug in die Natur. Zudem ein bis zwei Mal unter der Woche am Abend zu zweit, um Geist und Körper zu reinigen und ganz bei sich zu sein. Die eiskalte Gartendusche sorgt für diesen herrlichen Kontrast zwischen warm und kalt und ist ein kleiner Ersatz für das Eisbaden, dass wir in Finnland so lieben gelernt haben.

Ich schließe die Augen und stelle mir die glücklichen Gesichter der Mutigen vor, die ins avanto (finn. Eisloch) steigen. Noch nie habe ich jemanden missmutig aus dem kalten Wasser steigen sehen, immer rotbäckig strahlend.

Ich erinnere mich, wie ich am Kaljasjärvi mit der Künstlerin Merja Ala-Olla aus Ihode im Eisloch war. „101, 102, 103, 104…“ zählte Merja laut und tatsächlich schafft sie es schwimmend bis 130 zu zählen, bevor sie langsam aus dem Eisloch stieg.

„Am besten zählst Du ab 100, dann klappt es noch länger im See zu bleiben“, verriet mir die 55-Jährige, während wir vorsichtig über den Steg zur Strand-Sauna des Dorfes Lahdenvainio im Südwesten Finnlands laufen. Es war ein Sonntagmorgen und das Thermometer zeigte minus 3 Grad im Wasser an. Am Steg genoß ich die wunderbare Sicht über den See und das wohlige Glücksgefühl, das meinen Körper nach dem Eisbaden durchströmte. An mir vorbei gehen die „Profis“ ins Eisloch: Mit Neopren-Schuhen und – Handschuhen und einer Mütze auf dem Kopf. Auch hier sind die Finnen unaufgeregt  pragmatisch und richten sich ein. Und nebenbei ist das Eisbaden ein super Sisu-Training, sich zu überwinden und gestärkt aus dem Wasser zusteigen.

Saunaglück zu jeder Jahreszeit

Als wir zusammen wieder in der holzbefeuerten Sauna des Windmühlenvereins schwitzen, geben mir die Finnen weitere Tipps und berichten, dass man nach den langen Wintern erst einmal sein „Talviturkki“ (Winterfell) beim ersten Baden im eisfreien See verlieren müsse. Es fliegt die nächste Kelle „Löyly“ auf die heißen Steine des knisternden Ofens und es wird für einen Moment ganz still in der Sauna. Auch das ist Saunaglück – ganz bei sich zu sein, seine Gedanken nachzugehen und sich zu erinnern. Vielleicht an Juhannus zur Sommersonnenwende, wo der Tag am längsten ist und das Leben so leichtfällt: Zeit mit der Familie und Freunden im Mökki, Juhannus-Sauna, Abklopfen mit frischen Birkenzweigen, Lachs, Wein und Bier und den stundenlangen Sonnenuntergang genießen.

So läuft im Idealfall das wichtigste Fest für die Finnen ab. Das es in Finnland zu Juhannus regnen oder sogar schneien kann – geschenkt! In der Sauna verdampft auch dieser Ärger.

Während ich diesen Beitrag für Dani’s wundervolles HAPPINESS meets Life Glücksmagazin schreibe, fallen draußen die ersten Blätter. Der Tag begann heute morgen mit Nebel. Ich mag den Herbst sehr, seine Farben, weil man mit Gummistiefeln überall hinkommt und die Natur so intensiv riechen und spüren kann. Und was gibt es denn Schöneres als nach einer Herbstwanderung in unserer kleinen aber feinen Gartenfass-Sauna gemeinsam mit unseren beiden Kindern zu schwitzen, das Prasseln des Regens und den Dampf des Lebens – den Löyly drinnen zu genießen. Sauna ist gesund, sie verbindet und macht glücklich – an 365 Tagen im Jahr, zu jeder Jahreszeit – pures Saunaglück eben!


Mehr Geschichten aus und über die Sauna erzählt euch Katja auf ihrem Blog und Instagram-Kanal:


Ausgabe 06/2022 Glücksmagazin

Hygge, Ladom, Sisu und Co.

Hier kommst du zur gesamten Ausgabe und allen Inhalten des Glücksmagazins.

1 thought on “Die Jahreszeiten der Sauna – 365 Tage Sauna-Zeit”

  1. Hallo liebe Katja, Deine Zeilen über die Sauna und ihr Ritual sind herzerfrischend und laden geradezu ein, es selbst zu versuchen… Ich selbst jahrzehntelanger Saunagänger, kann nur bestätigen, was Du in Deinem Blog beschrieben hast… Selbst auszuprobieren, was man bei und nach dem Saunieren fühlt… und noch eine Erkenntnis: Dieses Ritual hat es wirklich über die Wende geschafft, wurde bereits damals in der DDR gepflegt und hat in der „Neuzeit“ einen ungeahnten Aufschwung in nicht finnischen Landen erlebt…
    „Sauna verbindet, Sauna macht glücklich…
    Was brauchts mehr… 😅👍

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