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Titelbild Minimalismus und Glück

Dank Minimalismus zu mehr Happiness – Kann man glücklicher Leben dank weniger Konsum?

Sich weniger Sorgen machen, frei sein und das Leben genießen; Lebensziele, die wir wohl alle genauso unterschreiben würden, oder? Ein möglicher Weg zu diesen Zielen: Minimalismus. Aber was steckt eigentlich hinter diesem vermeintlichen Trend um weniger Besitz und einem aufgeräumtem Leben und macht es am Ende wirklich glücklicher?

Minimalismus definiert jeder für sich anders. Jedoch haben die meisten Minimalisten eines gemeinsam: Sie leben ein selbstbestimmtes Leben und suchen ihr Glück nicht in materiellen Dingen. Sie suchen es im Leben selbst. 

Doch was ist Minimalismus eigentlich? Wie genau sieht ein minimalistischer Lebensstil aus? Muss ich alles verkaufen und in einer kleinen Wohnung leben? Darf ich noch Auto fahren und mehr als drei Paar Schuhe besitzen? Genau wie bei der Definition von „Happiness“, sollte sich jeder seine eigene passende Definition von Minimalismus schneidern. Es gibt eben nicht den einen, richtigen Weg, sondern viele verschiedene Arten, auch vom Minimalismus.

Der Begriff Minimalismus steht für die Beschränkung auf das Nötigste, bedeutet im Zusammenhang mit dem Lebensstil meint er, auf Dinge zu verzichten, die nicht gebraucht werden und so Ballast zu vermeiden. Was dieser Ballast ist, entscheidet jeder für sich. Im Grunde geht es einfach um die Entscheidung, ob etwas in irgendeiner Form einen Mehrwert hat. Was nutzlos und überflüssig ist, kann weg. Dabei geht es durchaus nicht nur um materielle Dinge sondern auch um Gefühle, um Beziehungen, um die Gesundheit, den Job, das Lebensgefühl überhaupt. 

Neuer Trend oder alter Hut?

Der Trend zum Minimalismus kommt aus den USA und wird auch hierzulande immer populärer. Der Lebensstil ist auch bekannt als „Einfaches Leben“ (englisch: Simple Living), „Freiwillige Einfachheit“ (Voluntary Simplicity) oder Downshifting. Auch Begriffe wie „Slow Living“ passen zu dieser Trendbewegung, die im Grunde eher eine Lebenseinstellung ist.

Auch wenn „weniger ist mehr“ derzeit boomt, neu ist der Wunsch nach einem minimalistischen Lebensstil nicht. In fast allen Religionen spielt der Verzicht auf materielle Dinge eine wichtige Rolle. 

Schon vor vielen Jahrhunderten zogen sich Gläubige ins Kloster zurück, gab es Mönche und Asketen, die sich in Verzicht und Enthaltsamkeit übten, um zu höheren Erkenntnissen oder persönlichem Wachstum zu kommen. 

Weltliche Ansätze lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen. Der Philosoph Diogenes von Sinope etwa war der Meinung, dass nur der wirklich glücklich sein kann, der sich von überflüssigen Bedürfnissen und äußeren Zwängen befreit. Er führte freiwillig ein Leben in Armut und Selbstgenügsamkeit: 

„Es ist göttlich, nichts zu bedürfen, und gottähnlich, nur wenig nötig zu haben.“ 

Freiwillig einfacher leben

Vor allem in Bezug auf den Klimawandel und die Suche nach einem möglichst nachhaltigen Leben stolpert man unweigerlich am Minimalismus-Konzept vorbei.

Denn es geht hier nicht um ein Verzicht aufgrund der finanziellen Lage, das nur einen minimalistischen Lebensstil und Besitz zulässt – ganz im Gegenteil. Denn die meisten Anhänger des Minimalismus, die also FREIWILLIG Konsum und Besitz beschränken, haben in der Regel relativ viel Geld auf der Seite.

Im Unterschied zum Mangel in einer persönlichen Notlage ist Minimalismus durch einen Verzicht auf Dinge gekennzeichnet, die man sich eigentlich ohne Probleme leisten könnte. Diesen Verzicht muss man aber vor allem auch wollen, sonst macht er wenig Sinn. Wenn wir vor jeder Konsumentscheidung einmal gründlich darüber nachdenken, was die Alternativen wären und wo sich ein heute heiß ersehnter Gegenstand wohl in 6 oder 12 Monaten wiederfinden wird, dann kommen wir auch zu sinnvollen Kaufentscheidungen und hin und wieder auch zu bewusstem Verzicht.

Was damit einhergeht: Das Gefühl, dass man alles hat was man braucht! Ganz ohne auf der Suche nach dem nächsten Schnäppchen oder einer möglichen neuen Anschaffung, weil es etwas gibt, was man gerne hätte (vielleicht weil es gerade modern ist und jeder es hat). 

Mit diesem Gefühl entsteht eine ganz neue Freiheit, die wir als Kind schon kannten, aber längst vergessen haben. Um die Dinge, die wir nicht haben, brauchen wir uns auch nicht zu kümmern. Sie können nicht kaputtgehen, verursachen keine Kosten und brauchen keine Pflege.

Dieses „WENIGER“ des Minimalismus bringt uns also auch ein gewisses „MEHR“, das unser Leben bereichert und beim glücklichsein durchaus hilfreich ist.

Was bekommst du MEHR dank Minimalismus?

Mehr Zeit

Minimalisten besitzen weniger Kram. Sie häufen keine nutzlosen Dinge an und sie hinterfragen jeden Kauf bewusst. Reparieren geht vor Neukauf! Besitzen wir weniger Dinge, haben wir automatisch mehr Zeit.

Mehr Geld

Weniger Zeug, bedeutet weniger Ausgaben. Meist wird auf große Ratenzahlungen verzichten und es wird sich für eine gebrauchte Version entschieden. Das Internet bietet super Plattformen auf denen gebrauchte Gegenstände aus privaten Händen erworben werden können für kleines Geld.

Mehr Nachhaltigkeit

Jede Entscheidung gegen einen Neukauf, ist in den meisten Fällen nachhaltig. Es werden Ressourcen eingespart und weniger Müll produziert. Wer bewusst lebt, lebt auch nachhaltiger!

Mehr Flexibilität

Durch den wenigen Besitz erschaffen wir uns automatisch eine größere Flexibilität und mehr Freiraum für Unternehmungen, die uns wirklich interessieren oder Spaß bringen. 

Mehr Freiheit

Weniger Besitz macht frei! Besitz und Dinge binden uns und unsere Verantwortung steigt. 

Mehr schöne Momente

Du wirst beginnen dich weniger über deinen Besitz zu identifizieren und die schönen Momente klarer und echter wahrnehmen können.

Mehr Leichtigkeit

Es reist sich besser mit weniger Gepäck und damit ist keine Weltreise gemeint, sondern unsere Lebensreise, die jeder mit dem Tag seiner Geburt antritt.

Auch bei dieser Auflistung kommt eines immer wieder zum Tragen: BEWUSST LEBEN! Denn wer minimalistisch lebt, lebt bewusst, stärkt seine Achtsamkeit und hat demnach auch die Möglichkeit herauszufinden, was wirklich zählt und glücklich macht.

Minimalismus – Weitaus mehr als weniger Konsum

Minimalistisch zu leben heißt auch, nicht immer neuen Reizen, neuer Unterhaltung hinterher zu jagen und danach zu streben, gesellschaftlich anerkannt und überall beliebt zu sein. Das führt nämlich dazu, dass wir nur so durchs Leben hetzen, aber nicht wirklich leben. Solch ein „Hamsterrad-Leben“, das nur aus Pflichten besteht führt dazu, dass wir gar nicht mehr dazu kommen, unsere eigenen Gefühle zu verstehen, Konflikte erkennen, benennen und ausräumen können.

Besser ist es Dinge zu tun, die uns guttun, uns Freude machen oder auch einfach mal gar nichts. Ruhe, Muse und Entspannung, ein schöner Spaziergang, ein spannendes Buch, Zeit für die liebsten Menschen, alles ist wichtiger als der Drang, jedermanns Darling und überall unentbehrlich zu sein und sich dabei völlig zu verausgaben. Und wenn wir in Ruhe darüber nachdenken, hat wohl mancher von uns Freunde, die eigentlich gar keine sind, Beziehungen, die nicht guttun und Internet-Bekannte, die eigentlich nur nerven. Auch das ist Ballast, den wir besser abwerfen sollten.

Genauso trifft uns diese Pflicht-Keule im Bereich der Arbeitswelt. Blicken wir doch einmal in die nahe Vergangenheit: Nur wer lange am Fließband stand oder im Büro saß, nur wer studierte und wenn er es schaffte promovierte, machte Karriere, verdiente gutes Geld und konnte sich den Luxus leisten, den er zu brauchen glaubte. Aber was ist das Ergebnis? Die Hälfte aller Arbeitnehmer in Deutschland fühlt sich gestresst und total ausgelaugt. Burnout ist im Vormarsch, Mobbing und Depressionen kommen immer häufiger vor.

Auch hier kann Minimalismus Abhilfe schaffen. Etwas kürzertreten, vielleicht nur noch halbtags arbeiten, einmal ganz auszusteigen, sich Träume erfüllen oder durch die Welt zu reisen. Sicher, das kann nicht jeder, aber es gibt viele Möglichkeiten, die uns Minimalismus hier bietet und die den Alltag erleichtern und „befreien“. Welche Tools dir dabei helfen können, findest du in der Kategorie „Work-Life-Balance“.

Studien bestätigen: Minimalismus macht zufriedener

All diese bereits genannten Überlegungen und Tatsachen rund um Minimalismus zeigen deutlich, dass solch ein Lebensstil viele Vorteile mit sich bringt. Alle Vorteile sind nicht nur gut für die Umwelt oder unsere Finanzen, sondern auch durchaus für unser eigenes Wohlbefinden. Dies ist sogar wissenschaftlich belegt und durch Studien dargestellt worden.

Im Jahr 2021 hat das „Journal of Positive Psychology“ eine Meta-Analyse von 23 Studien zum Thema Minimalismus und Wohlbefinden veröffentlicht. Und das Team um Joshua Hook von der University of Noth Texas bestätigte tatsächlich:

Ein minimalistisches Leben macht glücklicher.

Mehr als 80% der Studien konnten eine positive Verbindung zwischen einem bewusst einfachen Leben und mehr Wohlbefinden nachweisen. Das konnten sowohl quantitative Untersuchungen als auch solche mit einer qualitativen Wertung, also etwa Interviews, bestätigen.

LINK ZUR STUDIE: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/17439760.2021.1991450

Die Wissenschaftler führen diesen Zusammenhang vor allem darauf zurück, dass Minimalist:innen ihr Konsumverhalten besser kontrollieren können als andere. Stattdessen beschäftigten sie sich mehr mit ihren psychologischen Bedürfnissen, vor allem solchen, die zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen, also Themen wie Unabhängigkeit und Kompetenz.

Eine weitere Erkenntnis der Meta-Analysen zeigt allerdings auch, dass der Zusammenhang zwischen Minimalismus und hoher Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden vor allem bei Menschen mit eher „bescheidenen“ finanziellen Mitteln besteht, die sich vermehrt in der klassischen Mittelschicht befinden (wenn man das so betiteln kann). Menschen mit hohem Einkommen macht demnach ein minimalistischer, einfacherer Lebensstil und somit das Leben mit weniger Konsum nicht unbedingt glücklicher. Das könnte damit zusammenhängen, dass diese Personen sich durch ihr höheres Einkommen und die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel schneller an einen gewissen Lebensstandard gewöhnt haben. Deshalb fällt es ihnen schwerer, sich mit weniger Konsum und Wachstum zufriedenzugeben.

Demnach ist für die meisten von uns also Minimalismus ein guter Weg zum Glück. Auch Joshua Hook hat dazu die passenden Worte gefunden:

„Ich denke, diese Forschungsergebnisse wirken der generellen Tendenz unserer Gesellschaft, immer mehr zu wollen, entgegen. Es ist eine der größten Lügen unserer Zeit, dass wir einfach mehr Geld, mehr materiellen Besitz und überhaut mehr brauchen, um glücklich zu sein. Stattdessen sollten wir andere Wege suchen, um unsere Zufriedenheit zu erhöhen – und einfacher zu leben könnte etwas sein, das es sich auszuprobieren lohnt.“

Joshua Hook

Der Weg zum Minimalismus

All das hört sich doch nach einem guten Plan an, das Leben etwas auf den Kopf zu stellen und das Beste rauszuholen, oder? Wichtig dabei und ein Reminder an uns alle: Wer aktiv immer und immer wieder nach Happiness sucht, wird sie nicht finden! 

Daher Achtung und Obacht! Denn es geht hier nicht darum, einen neuartigen Trend in 10 Schritten nachzuturnen, um das ultimative Glücks-Leben führen zu können, sondern wie immer um dich und deinen eigenen, individuellen Weg und das HIER UND JETZT!!!

Minimalismus ist daher ideal geeignet, um sich mehr mit sich selbst und seinen Wünschen, Zielen und dem aktuellen Stand auseinanderzusetzen.

Und den Einstieg in dieses Lebensgefühl schafft ein ordentliches AUSMISTEN. Dabei machst du dich deinem Besitz und den Dingen die dich umgeben und damit auch beschäftigen, bewusst. Ist es Ballast oder doch ein wichtiger Bestandteil deines Lebens? Sind es unnötige Dinge oder wichtige Stücke? Was brauchst du wirklich und was kann weg?

Mit dem Schritt, die materiellen Dinge in Frage zu stellen und damit zu starten, beginnst du einen Prozess, der dann in immateriellen Dingen wie Gedanken, Beziehungen oder auch Pflichten weitergeht. Meist ganz von alleine. 

Wie dieser Start aussehen kann, damit es nicht direkt zu viel und überfordernd wird, klären wir in der Kategorie „Lifestyle“.

Fazit:

Reduktion, Einfachheit und Konsumverzicht sind ein guter Anfang, aber sie sind nicht das, worauf es beim Minimalismus ankommt. Das Entscheidende ist herauszufinden, was dich glücklich macht!

All die Handy-Spiele, TV-Serien, Technik-Gadgets und Klamotten beanspruchen viel Zeit und Aufmerksamkeit. Dank Reduktion und Verzicht ist diese Zeit frei geworden und du erlangst die geistige Freiheit herauszufinden, was für deine Zukunft und deine persönliche Zufriedenheit wirklich wichtig ist.

Minimalismus bringt dir neue Möglichkeiten und macht das Leben damit spannender! Macht dein Beruf dir wirklich Spaß, oder wolltest du nicht schon immer noch einmal studieren? War es nicht schon ein Kindheitstraum, einmal für mehrere Monate die Weiten der Welt zu erkunden? Solche Überlegungen sind für die meisten undenkbar. Sie werden aber plötzlich möglich, wenn man durch Reduktion und bewussten Verzicht ganz nebenbei die Kosten um 20, 30 oder sogar 50 Prozent reduziert hat.

Wichtig dabei: Der Schlüssel dazu liegt nicht beim Boss, nicht bei der Familie oder dem Partner, sondern nur bei einem selbst.


Ausgabe 05/2022

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