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Finnland Urlaubsglück

Urlaubsglück oder Freizeitstress? Warum überhaupt Urlaub und wie nutze ich die freien Tage sinnvoll für meine Happiness

Die Seele baumeln lassen, Fünfe gerade sein lassen, in den Tag hineinleben und einfach die Zeit genießen. Das ist Urlaubglück, oder? Diese ganz besonderen Tage im Jahr, an denen wir uns eine Auszeit vom stressigen Alltag in Job und auch Privatleben gönnen, sind enorm wichtig für unsere körperliche und geistige Gesundheit. Aber was ist, wenn das Urlaubsglück zu Freizeitstress wird und die freien Tage eher als Alltagsverlängerung genutzt werden? Ist Urlaubsglück vielleicht nur ein Märchen?

Als allererstes müssen wir an dieser Stelle wohl festhalten, dass Urlaub nicht sofort Verreisen bedeutet. Hier geht es vor allem um die Auszeit selbst und im zweiten Schritt darum, was man mit dieser Zeit anstellt. Vor allem durch die letzten Corona-Jahre hat sich ohnehin einiges verändert und wir mussten notgedrungen Urlaubstage zu Hause verbringen und die verdiente Freizeit anders füllen als gewohnt.

Denke einmal an deinen Jahresurlaub: Wie legst du diese Tage im Jahresverlauf an? Wieviele Aufgaben und Verpflichtungen schiebst du genau dorthin? Da ist ein Umzug, Renovierungen, Familienfeiern, Arztbesuche, uvm.

Urlaub damals und heute

Urlaub machen und erst recht das Reisen war bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland denen vorbehalten, die Zeit und Geld dafür übrighatten. So sonnten sich reiche Adelige den gesamten Sommer über auf ihren Landgütern oder auch mal in einem Kurbad – Geselligkeit und Gesundheit im Blick. Aber auch Staatsbeamte und leitende Angestellte konnten schon vor Einführung eines gesetzlichen Urlaubsanspruchs zumindest unbezahlte Ferientage bekommen. Kaufleuten war es natürlich auch möglich, dann und wann freizumachen – soweit es ihr Geschäft eben zuließ.

Und was das Thema „(Schul-)Ferien“ angeht: Schulen, Universitäten und Gerichte waren schon Ende des 19. Jahrhunderts den Sommer über geschlossen.

Urlaub wurde bereits damals mehr und mehr zum Statussymbol und ist es im Grunde bis heute geblieben, bzw. vielleicht auch wieder geworden. Früher war es ein ideales Gesprächsthema und man konnte damit angeben, wenn man unterwegs war und die freien Tage weg von zu Hause verbrachte. Heute passiert das um einiges ausgeweiteter mit Postings und Grüßen aus der Sonne via Social Media und Co.

Von diesem damaligen Wandel im gesellschaftlichen Leben und dem neuentdeckten Urlaubsglück konnten einfache Fabrikarbeiter damals allerdings nur träumen. Denn diese mussten weiterhin 6 Tage die Woche, 16 Stunden lang schuften. Und auch in bäuerlichen Betrieben auf dem Land sah es nicht anders aus. Erst 1903 setzten Brauereimitarbeiter als erste Arbeitergruppe per Tarifvertrag einen bezahlten Urlaubsanspruch durch. Sie bekamen ganze drei Tage Urlaub im Jahr. Heute unvorstellbar und eine grauenvolle Vorstellung, oder?

In dieser Hinsicht hat sich immerhin einiges geändert und in Deutschland regelt das Arbeitszeitgesetzt den Urlaubsanspruch jedes Arbeitnehmers. 24 Arbeitstag, stehen jedem Berufstätigen mindestens als Urlaubstage pro Jahr zu. Aber wusstest du, dass es dir zusteht, mindestens 12 Arbeitstage am Stück nehmen zu dürfen?

In einer Festanstellung in Finnland baut sich das Urlaubsguthaben je nach Dauer und Art des Arbeitsvertrages auf. Der Standard ist, dass Mitarbeiter:innen 30 Urlaubstage im Jahr zur Verfügung haben. In der Regel verbringen die Finnen davon ca. vier Wochen, also 24 Urlaubstage, im Sommer und eine Woche (6 Urlaubstage) im Winter. 

Anders sieht das natürlich aus, wenn du (wie ich) selbstständig bist – egal ob in Deutschland oder in Finnland. Urlaub bedeutet in der Regel auch ein Vor- oder Nacharbeiten der freien Tage. Denn wenn ich nicht arbeite, verdiene ich auch kein Geld. Vor allem als Solo-Selbstständige ist es daher schwer, sich über einen längeren Zeitraum komplett aus dem laufenden Geschäft rauszuziehen.

Das Positive ist aber natürlich, dass man das gesamte Jahr selbst einteilen kann und damit viel freier arbeitet als in einer Festanstellung. Ich z. B. habe es mittlerweile geschafft, dass ich komplett ortsunabhängig arbeiten kann. Meetings und Kundenabsprachen finden via Video-Call statt und meine Aufgaben und mein Aufgabengebiet sind online zu finden.

Alles was ich brauche ist mein Macbook und WLAN. Und das ist vor allem in Deutschland manchmal gar nicht so einfach! 😉

Aber egal ob selbstständig oder angestellt: Urlaub ist wichtig! 

Beruf, Haushalt, Familie, Ehrenämter, usw. Unsere vielen Verpflichtungen, die wir neben dem Job auf dem Zettel haben, können auf Dauer zu Stress und Überforderung führen. Daher ist eine Auszeit und Urlaub sowohl für das körperliche als auch das geistige Wohlbefinden besonders wichtig.

Wenn wir Urlaub haben und diesen sinnvoll und richtig nutzen, nämlich zur Erholung, sinkt die Anzahl der Stresshormone in unserem Körper. Außerdem sorgt eine Extraportion Sonne (entweder auf Reisen oder bei mehr Zeit an der frischen Luft) für zusätzliche Glückshormone. Dadurch können Beschwerden wie Bauch-, Rücken- oder Kopfschmerzen zurückgehen und wir sind generell entspannter. Durch die Stressreduktion im Urlaub kann sogar das Herzinfarktrisiko sinken und die Lebenserwartung steigen.

Aber was bedeutet denn nun „sinnvoll“ den Urlaub nutzen und wie finden wir dieses Urlaubsglück?

Über die optimale Länge eines Urlaubs sind Psychologen unterschiedlicher Meinung. Während die einen zwei Wochen am Stück oder mehr als notwendig sehen, damit der Körper die Stresshormone abbauen kann, glauben andere nicht daran, dass ein langer Urlaub notwendig ist. Allerdings sind sich alle Experten und Studien darin einig, dass freie Tage über das gesamte Jahr verteilt werden sollten. Denn nur wer auch regelmäßig Pausen einlegt, sammelt erst gar nicht so viel Erschöpfung.

Passend dazu gibt es eine etwas ältere Studie aus dem Jahr 2010 . Die Studie „Vacation from work as prototypical recovery opportunity” rund um Jessica de Bloom und ihre Kolleg:innen fand heraus, dass Gesundheit und Wohlbefinden am Beginn des Urlaubs steigen und am 8. Tag ihren Höhepunkt haben. Dabei wurden Müdigkeit, Zufriedenheit, Stimmung, Anspannung und das gesamte Energielevel der Teilnehmer:innen getestet.

Das würde bedeuten, dass ein Urlaub mindestens 8 Tage lang sein muss, um das volle Urlaubsglück zu erreichen. Allerdings kommen die Experten hier zu der Erkenntnis, dass durch kürzere und häufigere Urlaubsmomente in einem Arbeitsjahr ein höheres Wohlbefinden erreicht werden kann. Denn wer seine Batterien rechtzeitig wieder auflädt und nicht bis zum Akku-Versagen durchpowert, braucht auch weniger Aufladezeit und schafft damit eine längere Lebensdauer. Ach wie passend ist bitte dieser Vergleich!?

In der selben Studien hatten Teilnehmer:innen, die ihren Urlaub als „sehr entspannt“ ankreuzten, übrigens bis zu zwei Wochen länger anhaltende Glücksgefühle als die Teilnehmer, die ihren Urlaub nur als „entspannt“, „neutral“ oder „stressig“ bewerteten.

Das hört sich vielleicht eher unwichtig an, allerdings folgt daraus, dass ein Urlaub zwar keine Mindestdauer benötigt, um die Akkus wieder aufladen zu können, aber wir sollten darauf Acht geben, dass die Aktivitäten, die für diese kürzeren Urlaubstrips geplanten werden, so entspannend und ausgleichend wie möglich sind. Ein paar Tipps für mehr Entspannung im Urlaub findest du hier.

Mehr ist mehr – Urlaubsglück in kleinen Happen

Eine weitere Studie, die sich mit dem Gefühl des Urlaubsglücks beschäftigt hat fand heraus, dass der Satz „Mehr ist mehr“ bei der Häufigkeit von Urlauben auf jeden Fall zutrifft. 

So wurden zum einen Probanden befragt, die zum Zeitpunkt der Befragung im Urlaub waren und solche, die es nicht waren. Geforscht wurde nach dem Grad der Vorfreude auf einen anstehenden Ausflug. Dabei war die Vorfreude bei den Urlaubern um einiges höher, als bei den Nicht-Urlaubern. Also alleine die Vorfreude auf den nächsten Urlaub hat einen großen Anteil am eigentlichen und aktuellen Urlaubsgefühl und dessen Glücksqualität.

Nach dem Motto: „Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub“ könnte man z. B. den anstehenden langen Urlaub im Sommer mit einem vorangegangenen, verlängerten Wochenende bereits einläuten und damit die Stresshormone schon einmal vertreiben, damit das Urlaubsglück schon bald einziehen kann.

Staycation als Abenteuer-Trip in der Heimat

Genau zu diesen Forschungsergebnissen passt der Trend des „Staycation-Urlaub“ ideal. Denn um all die oben genannten positiven Effekte zu erreichen und damit neue Energie zu tanken, muss man den Urlaub nicht zwangsläufig in der Karibik verbringen. Das hat uns vor allem die Corona-Pandemie gezeigt. Daher liegt es nach wie vor im Trend in der nahen Umgebung zu bleiben, Kurztrips zu unternehmen und die eigene Heimat zu erforschen. Das Trend-Wort dazu: Staycation. Ein Wochenende in der eigenen Stadt im Hotel verbringen? Klar, warum nicht! 

Forschungen zeigen nämlich, dass der Urlaubsort keine Auswirkung auf den Grad der Erholung hat. Es ist zwar förderlich einen Ortswechsel zu haben, um auch den Kopf auf „Urlaub“ einzustellen und damit komplett aus dem Alltag zu entfliehen, es ist aber kein MUSS! Hier ein paar Tipps für den perfekten Staycation-Urlaub in der Heimat:

  • Tourist im eigenen zu Hause: Wie gut kennst du deine Heimat? Recherchiere doch einmal nach deinem zu Hause oder besorg dir einen Reiseführer. Auf deiner Entdeckungstour um die Ecke wirst du überrascht sein, was du bisher alles übersehen hast!
  • Abenteuer-Plan: Wichtig für einen Urlaub zu Hause: Schaffe einen Kontrast zum Alltag. Überlege dir, wie du die freie Zeit strukturieren möchtest und wecke damit auch gleich die Vorfreude, um schon bei der Planung ein paar Glückshormone herauszukitzeln. Langeweile im Urlaub: Ab sofort gestrichen!
  • Trau dich was: Wage etwas Neues! Du wolltest schon immer mal einen Fallschirmsprung machen, einen Kuchkurs besuchen oder Tanzen lernen? Dann los! Baue deine Wünsche in den Abenteuer-Plan mit ein.
  • Aufräumen unerwünscht: Der Urlaub ist für die Erholung da. Vor allem bei einem Urlaub zu Hause solltest du es vermeiden dich deinem Haushalt zu widmen oder Sachen wie Ausmisten und gar eine Grundreinigung im Kopf zu haben. Das kann warten, denn der Alltag kommt früher zurück als dir lieb ist!
  • Endlich offline sein: Gehe so weit wie möglich offline. Plane deine Ausflüge und Co. vorab und konzentriere dich dann nur auf die Umsetzung und das eigentliche Abenteuer – ganz ohne Instagram, Google oder Mails. Deine Follower kommen auch ein paar Tage ohne deine Postings und Storys aus!

Eine schöne Definition von Urlaub ist auch: Zeit, die man nicht am Arbeitsplatz sitzt. 

Allerdings wird es nicht automatisch ein erholsamer Urlaub, nur weil man nicht zur Arbeit fährt.

Wichtig ist, dass du herausfindest, was dir genau Energie gibt und was deinen Stress reduzieren kann. Es ist ein aktives Auseinandersetzen mit der freien Zeit. Aber wenn wir mal ehrlich sind, dann denken wir beim Urlaub in erster Linie an ausruhen oder faulenzen. Allerdings fanden Studien heraus, dass Spaß bringende, körperliche Aktivitäten nicht nur das Urlaubsglück steigen lassen, sondern auch die Gesundheit und das Wohlbefinden erhöhen. Passivität hingegen bringt genau das Gegenteil und verringert all diese positiven Effekte des Urlaubs. Es ist wie immer eine gute Mischung, die an deine eigenen Wünsche angepasst werden kann.

Achtsamkeit und Wertschätzung bringen das Urlaubsglück auch nachhaltig in Schwung

Das Ausmaß, in dem wir im Urlaub positive Erfahrungen genießen können, hängt laut De Blooms Nachforschungen auch stark mit Gesundheit und Wohlbefinden während und nach dem Urlaub zusammen. Dazu gehört auch bewusst diese positiven Effekte wahrzunehmen und dankbar zu sein, dass man dies erleben und spüren darf.

Achtsamkeit und Wertschätzung für die Dinge aufzubringen, die man tun und lassen kann, ist schon während eines normalen Tages wichtig und wertvoll. Bewusst zu genießen, was da ist, gibt einem ohnehin schon positiven Urlaub aber noch einmal einen zusätzlichen Schub.

Lass dazu wirklich jeden Urlaubstag abends einmal Revue passieren und überlege dir, was alles passiert ist. Wo warst du? Was war dein Highlight des Tages? Welche Menschen sind dir über den Weg gelaufen? Wie fühlst du dich nach diesem Tag? Was nimmst du in deinen Alltag mit? 

Denn erst dann, wenn wir bewusst leben, egal ob im Urlaub oder im Alltag, schaffen wir unsere ganz besonderen Glücksmomente. Vom Urlaubsglück bis zum Alltagsglück kann dann alles dabei sein und uns helfen dem Stress entgegenzutreten, damit unsere Batterien nie wieder komplett entladen daherkommen.


Mockup Ausgabe 04/2022

Ausgabe 04/2022

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